Ausstellung »DOWN THE RABBIT HOLE« – Teil 2

SONJA UND IHRE ALICE

»Alice im Wunderland« und seine Fortsetzung gelten als eines der hervorragenden Werke des literarischen Nonsens und finden somit in der Malerei eine Entsprechung vor allem in Dada und Surrealismus. Gerade Letzterer stellt damit ganz natürlich auch die direkte Verbindung zur Erforschung des Unterbewußten dar. Sonja Tines lässt in ihren Bildern ihrem Unterbewusstsein freien Lauf, kombiniert verspielte Ideen aus einer Welt des Märchens mit harten Fakten des realen Lebens und mit Motiven aus ihrem eigenen Leben.

Die Sonja Tines fertigt bevorzugt große Ölgemälde, die den Betrachter durch das Zusammenspiel von Bildkomposition und Farbigkeit vielleicht erstmal erschlagen. Surreal überzeichnete Figuren, deren Vorlage sie aus verschiedensten Kulturbereichen entlehnt, treten vor kontrastreich nebeneinander gestellten Motiven und Strukturen in einen völlig neuen Kontext.
Die Bildwirkung entspricht der Thematik. In einer von kulturellem und virtuellem Informationsüberfluss geprägten Moderne versucht der Mensch, seine eigene Identität von fremdbestimmten Mechanismen zu unterscheiden. Angesichts der vorherrschenden Selbstoptimierung und -inszenierung – besonders in diversen „sozialen“ Netzwerken lässt sich das eigene Leben als besonders beeindruckend kuratieren – gar nicht so einfach. Der Mensch ist schließlich nicht nur ein Individuum, sondern reflektiert, unbewusst und unfreiwillig, stets seinen Zeitgeist.

Sonja Tines konfrontiert den Betrachter mit der unbequemen Wahrheit und fragt, sich und dich und mich: Wer bist du, jenseits deines reagierenden Ichs? Wenn du dich als Person immer neu definierst, dich freiwillig immer wieder neu erfindest, was bleibt dann am Ende von deinem Selbst übrig? Ist das Überstülpen einer neuen Identität nicht nur ein Versuch, den durch die persönliche Vergangenheit ausgeprägten Abneigungen und Präferenzen zu entsagen, um in den gegenwärtig vorherrschenden Konzepten zu bestehen?
Trotz oder gerade wegen soviel Inhalts auf verschiedenen Ebenen gibt es auch auf der Bildebene immer wieder Neues zu entdecken. Hat man sich nach einiger Zeit der Betrachtung alle Facetten der bunten Darstellung erschlossen, stellt ein bemerkenswertes Gefühl der inneren Ruhe ein, das lange anhält.

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